1000 Mal

Kennst du eigentlich Klaus Lage? Nein? Doch, doch! Seinen Mega-Hit kennst auch du. Das ist der Song, in dem der Interpret davon berichtet, dass es nach langer Zeit plötzlich „Zoom“ gemacht hat. Auf einmal war alles anders. Eine neue Perspektive war entstanden.

Ein solches „Zoom“-Erlebnis ist auch mir widerfahren. Doch anders als bei Klaus Lage bezieht es sich nicht auf eine seit Kindertagen bestehende Freundschaft. In meinem Fall geht es um das sogenannte Ski-Ergometer. Beim Training am Ski-Ergometer soll mit zwei über Kopfhöhe befindlichen Griffen, die bodenwärts bewegt und an der Hüfte vorbei gezogen werden, die Bewegung des Skilanglaufs imitiert werden. Das kann ohne Frage anstrengend und schweißtreibend sein. Nicht ohne Grund gehören Skilangläufer zu den Ausdauerathleten mit der höchsten Sauerstoffaufnahmefähigkeit (VO2max).

Wenn eine Belastung sehr intensiv und ermüdend ist, zahlt sich eine ökonomisch ausgeführte Bewegung besonders aus. Denn so kann jemand mit einer hohen Bewegungsökonomie bei gleichem Energieverbrauch mehr Kraft erzeugen bzw. mehr Gewicht bewegen bzw. mehr Distanz bewältigen als jemand, der von der Idealtechnik abweicht. Ebenso kann der „Edeltechniker“ bei weniger Energieverbrauch die gleiche Leistung erbringen wie jemand, der sich mit einer schlechten Bewegungstechnik abrackert.

Regelmäßiges Training am Ski-Ergometer führe ich erst seit 2018 durch. Zunächst ging es darum, das neue Bewegungsmuster zu verstehen. Welche Muskelgruppen sind antriebswirksam? Und wie sind sie miteinander zu koordinieren? Auch dieser Lernprozess benötigt Zeit. Jede Bewegungswiederholung bringt einen dabei weiter und verbessert das Verständnis. Nach etwa einem Jahr und dem gefühlt tausendsten Intervall am Ski-Ergometer war der Groschen gefallen. Es hat, wie Klaus Lage sagen würde, „Zoom“gemacht.

Ich hatte endlich verstanden, den größtmöglichen Zug zu erzeugen. Die Bewegung wird mit dem Rumpf initiiert und dieser Impuls mit gestreckten Armen auf die Griffe übertragen. Bis dato hatte ich eher versucht, aus den Armen zu drücken. Ein gewaltiger Unterschied, wenn man bedenkt, dass der Rumpf als unser Kraftzentrum bei Weitem stärker ist als unsere Arme. Dieser Quantensprung in puncto Bewegungsökonomie lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: 30 Sekunden Zeitersparnis auf 1000 Metern. Ist das gut? Nein, das ist schon jenseits von gut und böse. Ein ganz anderer Planet sozusagen.

Welche Bewegung ist es bei dir? Wobei wartest du noch auf die Decodierung? Mache weiterhin Meter für Meter, spule es wieder und wieder ab. Bleibe dabei, weiche nicht zurück. Übung macht auch im Jahr 2020 den Meister. Nach dem tausendsten Mal unterhalten wir uns dann nochmal.