Die Mutter aller Argumente

Im Leben muss man sich entscheiden. Entweder ja oder nein. Wenn das mal so einfach wäre. Ich denke, ein Jeder von uns hat so seine Erfahrungen mit Unentschlossenheit gemacht und wird sie auch weiterhin machen. Manch einer könnte wohl ein Buch über Unentschlossenheit schreiben. Oder einen Song. Die Band Fettes Brot hat genau das bereits 1996 getan. Im Refrain des Songs „Jein“ wird wiederholt die uns umher treibende Frage gestellt: „Soll ich’s wirklich machen oder lass‘ ich’s lieber sein?“.

Die drei Interpreten schwanken immer wieder zwischen einer Zusage (Ja) einerseits und einer Absage (Nein) andererseits. Als vermeintliche Lösung dieses Dilemmas entscheiden sie sich für eine Nullaussage (Jein). In jedem von uns steckt ein Jein-Sager. Doch diese Antwort bewegt sich irgendwo im Zwischenraum von „weder, noch“ und „sowohl, als auch“. In einer Grauzone sozusagen. An diesem Punkt angekommen kann man festhalten, dass wir uns zumindest darin einig sind, dass wir uns nicht einig sind. Na toll! So kommen wir nicht weiter. Wer oder was kann jetzt helfen? Argumente!

Argumente möchten uns von einer Sache überzeugen, indem sie deren Sinnhaftigkeit verdeutlichen. Aber Vorsicht, denn der natürliche Feind der Argumente lauert überall: Gegenargumente. Sie lieben es, gute Argumente auszukontern. Die Quelle der Gegenargumente scheint unerschöpflich und nicht zu versiegen. Beim Gedanken an Gegenargumente (Synonym: Ausreden) kennt der menschliche Einfallsreichtum keine Grenzen. Jedenfalls solange bis demgegenüber ein Totschlagargument präsentiert wird. Jetzt verblassen auch die allerbesten bzw. abwegigsten Gegenargumente. Game over, Schach matt.

Es gibt da dieses eine Totschlagargument, dass jedem, der händeringend nach guten Gründen für einen körperlich inaktiven Lebensstil sucht, den Wind aus den Segeln nimmt. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal ein Best of der Pros und Contras zum Thema Sport und körperliche Aktivität, die immer wieder zu hören sind.

„Sport verbrennt Fett.“ – „Für Sport habe ich keine Zeit.“ – „Sport wirkt Bluthochdruck entgegen.“ – „Das Wetter ist zu schlecht, um Sport zu treiben.“ – „Sport reguliert den Blutzuckerspiegel.“ – „Es gibt für mich keine passende Sportart.“ – „Sport tut dem Rücken gut.“ – „Sport macht mir keinen Spaß weil die Anderen besser sind.“ – „Sport stärkt das Herz-Kreislauf-System.“ – „Mir fehlt einfach die Energie dafür.“ – „Sport reduziert Stress.“ – „Ich habe andere Interessen.“ – „Sport macht glücklich.“ – „Ich bin Bewegung nicht gewöhnt.“ – „Sport mindert Angst.“ – „Meine Ernährung ist zu schlecht.“ – „Sport lässt uns besser denken.“ – „Mir fehlen die Trainingsmöglichkeiten.“ – „Sport hält jung.“ – „Es hat beim letzten Mal auch nicht geklappt.“

Das sollte reichen, um zu erkennen, dass Gegenargumente alles andere als Mangelware sind. Ich finde, dass all die Gegenargumente in ihrer Gesamtheit so klingen, als seien Sport und Bewegung etwas, das man eines fernen Tages machen kann, wenn all die „wichtigen“ Dinge erledigt sind. So wie die große Kreuzfahrt, die man sich gerne für die Zeit nach dem Berufsleben aufhebt. Dann könnte das Kind aber schon in den Brunnen gefallen sein. Und mit dem Kind meine ich die Fähigkeit, sich zu bewegen. Wir dürfen unser Leben nicht leben, als seien uns tausend Jahre vergönnt. Für eine Zukunft, in der wir fähig sind, uns zu bewegen, müssen wir schon heute etwas tun. Gerade in einer Welt, in der immer mehr Menschen sitzen.

„Die Menschen haben irgendwann angefangen, sich die Zähne zu putzen, um Karies zu vermeiden, nun fangen sie an, Bewegung in ihren Lebensalltag zu integrieren.“, so Anja Kirig, Trendforscherin am Zukunftsinstitut in München. So normal es heute ist, sich die Zähne zu putzen, sollte es auch sein, sich zu bewegen. Da gibt es nicht viel zu reden. Also, wie lange ist dein letzter Lizzard-Walk her? Hast du jemals einen gemacht? Bist du dazu (noch) in der Lage? Falls du dich jetzt tatsächlich noch fragst, ob du diese Sache mit der Bewegung wirklich machen sollst oder es lieber sein lässt, kommt hier die Mutter aller Argumente:

„Because you can. If you won’t – tomorrow you might not be able to. MOVE.“ (Ido Portal)