Express-Lieferung

Wie bekommt man vier Gartenstühle aus dem 14 Kilometer entfernten Baumarkt nach Hause? Man kann sie bestellen und darauf warten, dass sie geliefert werden, nachdem man schon gar nicht mehr damit gerechnet hat. Man kann mit dem Auto zum Baumarkt fahren und feststellen, dass sie doch nicht in den Kofferraum passen. Und man kann mit einem Fahrrad-Anhänger zum Baumarkt laufen und besonders auf dem Rückweg für Aufsehen sorgen.

Option A war mir zu ungewiss. Option B war irgendwie zu bequem. Option C gefiel mir immer besser, je länger ich darüber nachdachte. Getreu dem Motto „Bad ideas make the best memories“ fiel die Wahl auf Option C. Also Laufschuhe geschnürt, Fahrrad-Anhänger aus dem Keller geholt, Spanngurt eingepackt und ab dafür!

Bei allerbestem Wetter lagen 28 Kilometer Anhänger-Schieben vor mir. Quer durch die Frankfurter City und dann am Main entlang in die südöstlich gelegene Lieblings-Nachbarstadt. Die Leute fragten sich wohl, warum der Typ mit dem Anhänger es so eilig hat. Bei zwei Jugendlichen im Chill-Modus sorgte der Anblick des noch leeren Anhängers für Verwirrung. „Ey, Digga! Da war ja gar kein Kind im Wagen. Aber wieso?“. Ob sie eine Antwort auf die Frage finden konnten, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich recht geschmeidig durch den Stadtverkehr gekommen bin. Vielleicht lag es daran, dass man auf mich als ungewöhnlichen Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht genommen hat. Besten Dank dafür.

Von jetzt an ging es am Wasser weiter. Immer den Main entlang, der aufgehenden Sonne entgegen. Dieser Streckenabschnitt taugt auch als Postkarten-Motiv und war quasi ein Selbstläufer. Die letzten Minuten des Hinwegs waren weniger fotogen und führten an einer viel befahrenen Landstraße entlang. Und schon standen wir -der Anhänger und ich- auf dem Parkplatz des Baumarkts.

Wenige Minuten später war ich Besitzer vier neuer Gartenstühle. Und sie passten ohne Probleme in den Fahrrad-Anhänger. Dank des Spanngurtes war das Ganze auch ein stabiles, transportfähiges Konstrukt. Optisch fast schon abstrakte Kunst. So lässt sich wohl auch erklären, warum ich auf dem Rückweg in viele lächelnde Gesichter sehen konnte. Ihre Blicke sprachen zu mir. Sie sagten: „Tolle Idee!“ oder „Genieß das Abenteuer!“. Ich erkannte auch Verständnis in den Augen der Menschen. So als ob sie selbst erst letzte Woche auf dieselbe Weise ihre Gartenstühle abgeholt hätten. Haben sie das vielleicht wirklich? Ist es die neue Trendsportart? So oder so, kann ich nur empfehlen, es mal auszuprobieren. Viel Spaß und gute Fahrt!