Klare Sache

Ist es dir auch schon aufgefallen? Neuerdings scheinen Brillenträger in der Überzahl zu sein. Und man fragt sich: Hat die Sehkraft der Nation schlagartig nachgelassen? Nein, das nicht. Der kräftige Zuwachs an diversen Gestellen auf den Nasen der Leute hat modische Gründe. Die Modebrille liegt im Trend. Auch dieser Trend wird sich schon bald wieder verflüchtigt haben. Solange die Leute ihren Spaß daran finden, sei es ihnen gegönnt. Die Fähigkeit, klar sehen zu können, wird davon ohnehin nicht beeinflusst.

Das ist viel mehr Kopfsache. Es heißt ja schließlich: Mit klarem Kopf. Mit einem klaren Kopf lassen sich hervorragend Entscheidungen treffen. Gute Entscheidungen führen zu Erfolg oder andersherum ist Erfolg die Summe richtiger Entscheidungen. Erfolg hat doch jeder gern. Zu ärgerlich, wenn man den Kopf (mal wieder) nicht frei kriegt. Wenn sich nicht ein klarer Gedanke fassen lässt. Lärm und Hektik des täglichen Tohuwabohus können dazu führen, dass das eigene Denken wie von einer dunklen Wolke umhüllt scheint.

Wenn man das Gefühl hat, innerhalb eines mikroskopisch kleinen Zeitfensters gleichzeitig den überteuerten Mobilfunkvertrag kündigen, die Steuererklärung einreichen und den voreilig gebuchten Familienurlaub stornieren zu müssen, dann wird das Kopfkino von einer Lawine überrollt. Stress lass´ nach!

Ein Ort, an dem eine solche Unruhe undenkbar scheint, ist das Kloster. Hier hat man Teckniken und Methoden zur Gewinnung eines klaren Geistes kultiviert. Und man muss sich nicht einmal in ein Kloster begeben, um von diesem Wissen zu profitieren. Diese althergebrachte Expertise funktioniert auch außerhalb der Klostermauern. Also dort, wo Moblilfunkanbieter, Finanzamt und Reiseveranstalter stets für eine Überraschung gut sind. Denke einfach wie ein Mönch!

In der Welt der Shaolin-Mönche gibt es fünf Hindernisse auf dem Weg zu einem klaren Geist. Erstens: Ablenkung durch Versuchungen (Begehrlichkeiten). Zweitens: Negative Emotionen in Bezug auf Situationen, Dinge oder Personen (Abneigung). Drittens: Mangelnde Motivation und Energie (Schwerfälligkeit). Viertens: Nicht im Hier und Jetzt zu sein (Rastlosigkeit). Und fünftens: Skepsis und Zweifel in der Entscheidungsfindung (Unentschlossenheit). Wenn man für sich feststellt, dass ein solch hinderlicher Gemütszustand vorliegt, dann gilt das Motto „Just let it RAIN.“.

RAIN ist ein Akronym, dass für die Begriffe Recognize, Accept, Investigate und Non-Identify steht. Wenn sich also keine Klarheit in der eigenen Gedankenwelt einstellen will, dann gilt es in vier Schritten, dem bestehenden Hindernis den Garaus zu machen.

Schritt 1/Recognize: Mache dir bewusst, dass es Grund zur Unzufriedenheit gibt. Schritt 2/Accept: Akzeptiere diese Unzufriedenheit und schiebe sie nicht beiseite. Schritt 3/Investigate: Frage dich, welche Entscheidungen und welches Verhalten zum Ist-Zustand geführt haben. Schritt 4/Non-Identify: Da du jederzeit eine Veränderung herbeiführen kannst, ist das Problem nur eine Momentaufnahme und kein Teil von dir. Nachdem diese vier Schritte abgeschlossen sind kann man sagen: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Doch Obacht, liebe Freunde des klaren Geistes, denn die fünf Hindernisse bleiben immer gefährlich. Sie lauern wie Schlangen im Gras. Meister Shi Heng Yi empfiehlt daher, das Leben so auszurichten und zu strukturieren, dass die Hindernisse auf dem Weg zum klaren Geist sich nicht aufbäumen können. Die beste Prävention ist es, sich selbst (besser) kennen zu lernen und immer wieder mit sich selbst in den Austausch zu treten. Bei all dem Getöse um uns herum ist das kein leichtes Unterfangen. Sich auf diesen Weg zu begeben und auf ihm zu bleiben ist ein Meisterstück.

There are two mistakes along the way to mastery: Not starting it and not going all the way.