Mea culpa

Wenn wir erfolgreich sind, ist der Hauptverantwortliche dafür schnell gefunden. Der CEO of Success and Awesomeness sind immer wir selbst. Wer denn bitte sonst? Wenn aber mal etwas misslingt und der Erfolg ausbleibt, dann will man plötzlich nichts mehr von der Verantwortung dafür wissen. Die Liste der Gründe des Misserfolgs ist ellenlang, doch wir selbst sind nicht darauf zu finden. Läuft es gut, dann wegen der eigenen Fähigkeiten. Läuft es schlecht, dann wegen der äußeren Umständen. Lustig!

Am allerbesten ist es ja, wenn man nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen sucht. Ja, eigentlich schon. Doch jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben, hat eine lange Tradition. Das erkennt man am Begriff des Sündenbocks. Dieser findet schon in der Bibel Erwähnung. Warum all die Abladerei von Schuld bei anderen? Weil es so einfach und auch noch so erleichternd ist. Ursachenforschung zu betreiben oder sich zu hinterfragen ist ja auch irgendwie voll anstrengend. Viel zu mühsam, viel zu reflektiert. Weg damit!

Denn in der Social Media-Blase muss man zwangsläufig den Eindruck gewinnen, dass ausnahmslos jeder ganz ohne Mühe unfassbar erfolgreich ist. Inmitten dieser Stars und Celebrities möchte man das Selbstbild nur ungern mit der eigenen Fehlbarkeit konfrontieren. Dann stünden die anderen deutlich besser da als man selbst. Die Psychologie nennt das einen Aufwärtsvergleich. Äußert unangenehm so etwas.

„Soziale Medien laden zur optimierten Selbstdarstellung ein.“, so Johanna Schäwel, die Medienpsychologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart unterrichtet. Und dieses inszenierte Leben der anderen nehmen wir für bare Münze und als Maßstab. Der Vergleich hinkt gewaltig. Also gewöhnen wir uns wieder daran, dass es Bereiche im Leben gibt, in denen man sich verbessern kann. Bereiche, in denen andere eindeutig besser sind als wir. Noch.

Der Plan sollte lauten: Repeat, repeat, repeat, compete. Wenn sich am Ende der Trial-and-Error-Phase der Erfolg einstellt, dann kommt die Leichtigkeit des Seins, die wir an anderen so bewundern, von ganz alleine. Doch bis dahin heißt es bei jedem Fehltritt: Mea culpa!