Muskelmann ist da

Das Leben ist ein Theaterstück und du bist mittendrin. Immer Action, keine Auszeit im Backstage-Bereich. Je nachdem, welche Rolle man in diesem Stück spielt, macht es entweder Mörderspaß, geht so einigermaßen oder ist richtig beschissen. Die Leute auf der Sonnenseite des Lebens sind in der Regel diejenigen, die ihre Rolle einst definiert haben und sich dann zielstrebig in diese Richtung entwickelt haben. Sie wollten es unbedingt so. Am Ziel angekommen haben sie dann sehr oft gut lachen und hören manchmal ein „Dir geht´s ja immer gut.“.

Die Leute, die sagen, dass ihr Leben eigentlich ganz in Ordnung ist, sind finanziell meistens solide aufgestellt, haben stets einen vollen Kühlschrank, aber schon lange kein erstrebenswertes Ziel mehr. Arbeitswochen werden mit dem geringst möglichen Aufwand bewältigt und freitags heißt es: T.G.I.F., endlich Wochenende! Ein wenig Abwechslung bringt noch der Pauschal-Urlaub. Diesen Leuten steht die Konformität auf die Stirn geschrieben. Ihre Rolle haben sie nicht definiert, sondern zugewiesen bekommen und hatten dabei etwas Glück.

Nicht zuletzt gibt es die Leute, deren Alltag einem permanenten Stresstest gleicht. Sie haben ihre Rolle nie definiert und bei deren Zuteilung die A-Karte gezogen. Sich durchzukämpfen, ist das Tagesprogramm. Der Job geht ihnen gewaltig gegen den Strich und das wirkt sich auch auf die weiteren Lebensbereiche aus. Müde und matte Gesichter sind unter solchen Umständen nur eine Frage der Zeit.

Wie auch immer unser heutiges Leben aussieht, so kann es morgen schon ein völlig anderes sein. Wenn wir es wollen. Alles eine Frage der (veränderten) Gewohnheiten. Denn wir werden uns sind das, was wir regelmäßig tun. Sobald jemand eine Rolle definiert hat, die er innerhalb der Gesellschaft einnehmen möchte, wird auch offenbar, welche Schritte nötig sind, um im Laufe der Zeit ebendiese Rolle auszufüllen.

Dieser Tage stelle ich immer wieder fest, dass sehr schnell wahrgenommen wird, wer man ist und wofür man steht. Man muss es nicht erklären. Man strahlt es aus. Ein gutes Feedback können Schulklassen geben, denn Kindermund tut Wahrheit kund. Da aktuell einige Schulen ihren Sportunterricht in Parks abhalten, trainiere ich des Öfteren an der Seite von zahlreichen Kindern. Und jedes Mal ist ein interessanter Kommentar zu hören. Der hier war auch schon dabei: „Muskelmann ist da.“. Natürlich musste ich schmunzeln. Und habe noch eine Weile darüber nachgedacht.

Wieso werde ich als „Muskelmann“ wahrgenommen? Weil ich Woche für Woche Trainingsequipment ankarre und Vollgas im Training gebe. Weil andere das eben nicht tun. Weil ich vor langer Zeit eine Rolle für mich definiert habe, in der Sport ein wesentlicher Bestandteil ist. Welche Kommentare soll man dir nachrufen?