Steil gehen

(Bild: Christine Baumann/Pfungstadt)

 

Steil gehen, das muss auch mal sein. So richtig auf die Pauke hauen, es krachen lassen, kräftig feiern. Danach geht es einem richtig gut. Wenn jemand steil geht, assoziiert man damit oft feucht-fröhliche Party-Exzesse. Das gilt nicht für jedermann. Für manch einen kann auch ein Wochenende, das man der Modell-Eisenbahn im Hobby-Keller widmet, bedeuten, steil zu gehen. Jeder Jeck ist anders. Hauptsache, es tut der Seele gut.

Für mich kann es bedeuten, mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Oberreifenberg zu fahren, um dort dann drei Mal die ehemalige Nordbahn hoch zu rennen. Exakt so sah das Tagesprogramm am 23.6.19 aus. Der Taunus Triple Bergsprint stand an. Und mit durchschnittlich 16 Prozent Steigung war es doch recht steil.

Steil ging es auch mit der Herzfrequenz nach oben, sobald man im Rennen war. Und trotzdem oder gerade deswegen hat es einen Heidenspaß gemacht. Mit Leuten, die genauso „verrückt“ sind der Spitze entgegen, wo man von Klängen des Albhorns empfangen wurde. Sportlerherz, was willst du mehr?

So war jeder der drei Läufe ein großes Erlebnis. Alleine schon wegen eines Teilnehmers, der nahezu heldenhaft emporstieg. Auch er war aus der Ferne mit dem Fahrrad angereist. Auch er hat den Berg an diesem Tag drei Mal erklommen. Aber einen gewaltigen Unterschied gibt es dann doch. Der Mann hat seinen 80. Geburtstag bereits hinter sich. Was soll man dazu noch sagen? Der geht mal so richtig steil. Er ist der Steilgänger unter den Steilgängern.

Diese Ausnahmeerscheinung führt uns vor Augen, was möglich ist und entzaubert all die Alibis und Ausreden, die wir allzu gerne aus dem Hut zaubern. Danke dafür!